Wer bin ich - Václav Zelenka oder Rolf Wagner?

Seitdem die Schülerinnen und Schüler wussten, dass der kleine Vaclav 1945 in Bühlau für ein halbes Jahr ihre Schule besuchte, wollten sie ihn auch persönlich kennen lernen. Es wurden bewegende und nachdenkliche Tage, unterbrochen von jugendlicher Heiterkeit, etwa bei einer entspannenden Schneeballschlacht. Nur in diesem Wechsel zwischen ernsthaftem Einfühlen in die Geschichte und ausgelassener Albernheit war für die Schüler das unfassbare, grausame Erlebnis zu verkraften. Sie kamen an einen Ort, wo von dem 1942 rund 500 Seelen zählendem Dorf fast nichts mehr zu sehen war. Die Nazis hatten ganze Arbeit geleistet. Kein Stein und kein Strauch sollte an das lebendige Dorf erinnern. Sogar den Bachlauf hatten die Reichsarbeitsdiensthelfer verlegt. Wenige Grundrisse, von der Schule, der Kirche, einem Bauernhof sind rekonstruiert. In dieser stillen, winterlichen Weite bewegte die Schüler besonders das Denkmal für die Kinder. Auf einer Grundfläche von 20qm stehen dicht gedrängt 82 lebensgroße Kinderstatuen aus Bronze. "Hier in der Nähe",  so erzählte Václav Zelenka, "hat mein Elternhaus am Rande des Dorfes gestanden." Auf die Frage, ob es je eine angemessene deutsche Entschuldigung gegeben hat, verneinte er. Aber dass Menschen kommen, auch Deutsche, "und uns nach unserem Schicksal fragen, zeigt uns, dass es Interesse gibt und Menschen verstehen wollen." Alles haben die Jugendlichen mit der Kamera festgehalten. Mit dem entstehenden Film wollen die Schüler andere auf das Schicksal dieses Dorfes und die Grausamkeit von Krieg und Faschismus hinweisen. Zum Schuljahresende soll der Film öffentlich in Bühlau aufgeführt werden.
Annemarie Müller